Die Wichtelgemeinschaft

Unsere Praktikantin Joana "Schnupperwichtel" hat ihren Praktikumsbericht für die Öffentlichkeit frei gegeben. Wir danken ihr dafür und die schöne Zeit, die wir zusammen hatten
Wichtelberatung (Foto: Dickimatz / pixelio.de)

Wichtelberatung (Foto: Dickimatz / pixelio.de)

Es war einmal vor sehr langer Zeit, in einem weit entfernten Land in einer großen Stadt hinter sieben hohen Häusern.... da befand sich eine Weihnachtswerkstatt, in der ca. 30 Wichtel tätig waren.

Die Wichtelgemeinschaft war bei der Weihnachtsplanung für den gesamten Stadtraum zuständig und damit sie alles im Blick hatten, war die Werkstatt in der siebten Himmelsetage gelegen. Natürlich musste auch das Geschehen unten in der Stadt gut beobachtet werden und so wurde noch ein kleinerer Standort, versteckt in einem Wohnhaus eingerichtet, wo nur vier Wichtel arbeiteten, dass es nicht so auffällig war. Die Wichtel hatten dann die Möglichkeit über Funk die neuesten Beobachtungen auszutauschen.

Der Aufgabenbereich der Wichtel war sehr vielfältig, so gab es Wichtel, die die Geschenkewünsche der Familien aufnahmen, welche die für die Pläne Kartierungen vornahmen, um zu schauen, welcher Familie wie viele Geschenke zustanden, dann noch Wichtel, die dieses grafisch darstellten Und und und... es gab also immer viel zu tun. Die Wichtel hatten alle einen anderen Schlafrhythmus und so trudelten sie nach und nach jeden Morgen in der Werkstatt ein.

Um in die siebte Himmelsetage zu gelangen, gab es einen bequemen Rentierschlitten. Wenn die Rentiere mal krank waren, musste man alternativ den Eselschlitten benutzen, der zwar mehr Gewicht ziehen konnte, aber vieeel langsamer unterwegs war  oder man nahm eben die schwebenden Stufen, die sich aber nach einem ausgiebigen Frühstück nach einer halben Ewigkeit anfühlten und man höchst wahrscheinlich schnaufend und schwitzend in der Werkstatt ankam. Aber das kam zum Glück nicht allzu oft vor.

Am ersten Tage der Woche, wenn die Uhr 10 geschlagen hatte, musste jeder Wichtel im Versammlungsaal erscheinen. Die früh aufstehenden Wichtel waren eh schon da und sicherten sich die besten Plätze. Doch die meistens huschten noch kurz vor knapp mit Papier, Feder und einem Pot Kaffee herein, um sich die letzten Stühle zu ergattern. Wenn die Uhr schon 10 geschlagen hatte, gab es immer noch ein paar Nachzügler, die verschlafen oder den Rentierschlitten vor 10 Uhr verpasst hatten, der zu dieser Zeit auf Hochtouren auf und absauste. Dann waren aber schon alle Plätze belegt und so wurde noch ein bisschen gepoltert und zurechtgerückt, bis jeder Wichtel endlich seinen Platz im Morgenkreis gefunden hatte. Der Vorstand der Wichtel wollte meistens schnell beginnen, es war ja schon wieder nach 10. Doch es ging noch Gekicher und Gequatsche durch die Runde, denn die Wichtel hatten sich viel von ihren aufregenden freien Tagen zu erzählen. So musste der älteste und weiseste Wichtel meistens einen mahnenden Blick in die Runde werfen und für Ruhe sorgen. Nun konnte der kleinste Wichtel mit dem größten Überblick beginnen und berichtete, was in der Woche so anstehen würde.

Jeder Wichtel hatte nun die Möglichkeit seine Anliegen für die kommenden Tage zu äußern. Der erste Wichtel hatte nichts und gab das Wort weiter. Der nächste sagte: "Ich bin gerade bei dem Plan 4711, da fehlen mir noch Kartierungen von den Familien, die kaum ökologisches Verhalten gezeigt haben und deshalb weniger Geschenke bekommen, da kann ja ein Wichtellehrling nochmal in den Bezirk gehen, da gibt’s noch einige Unstimmigkeiten. Wenn das gemacht ist, kann die Übersicht an die Grafik weitergegeben werden". Daraufhin meldete sich ein anderer Wichtel: "ich bin gerade an einer Vorprüfung für einen anderen Bezirk und hier ruft jeden Tag mehrmals eine Familienmutter an - Frau Nikolaus aus Himmelpfort - und möchte doch dringend an den Geschenkewünschen ihrer Kinder noch was ändern. Ich hatte gerade ein Puppenkleid mit rot-gelben Blumen in Auftrag gegeben und dann möchte sie plötzlich orange-gelbe Blumen haben, obwohl es schon zur Produktion gesendet wurde. Wenn ich ihr das erkläre, sagt sie, dass ich das ja noch schnell ändern könne und sie will kein Nein akzeptieren. Was machen wir denn mit so einer Familie?“, fragte der Wichtel. Drei weitere Wichtel nickten leidend mit und erklärten, dass auch sie ständig Anrufe von ihr bekommen würden. "Das ist ein Spezialfall, darum kümmern wir uns später“, warf ein weiterer Wichtel ein, wir müssen jetzt weitermachen und dürfen die Zeit nicht wegen einer Familie verlieren." "Was gibt es für Veranstaltungen die Woche?", fragte der älteste Wichtel.

Der Veranstaltungswichtel schaute kurz auf seine Unterlagen und fing an zu berichten. „Mittwoch gibt es eine Weihnachtsbäckerei zum Thema slow Food Plätzchen backen aus regionalen Zutaten. Das Ganze findet um 19.30 Uhr im Gemeindesaal des dritten Bezirkes statt und es wäre gut, wenn dort jemand hingeht, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, damit wir ihre Wünsche besser nachvollziehen  können.“ Ein Wichtel erklärte sich bereit dort zu erscheinen. „Wunderbar“ sagte der älteste Wichtel, „gibt es irgendwelche Sorgen, Nöte oder Wohlwollendes?“ „Die wohl verdiente Wichtelfeier steht schließlich vor der Tür, ist dafür alles geklärt?“ Die Wichtel des Vergnügungsausschusses nickten zufrieden. „Schön, dann wünsche ich euch eine gute Woche, sagte der älteste Wichtel.“ Somit war die morgendliche Sitzung beendet und jeder Wichtel machte sich an seinen Arbeitsplatz.

Es war nie leicht den Menschen ihre Wünsche zu erfüllen. Die Wichtel gaben sich immer so viel Mühe, um möglichst genau den Geschmack zu treffen, doch sie konnten nie alle zufrieden stellen und das kostete manchmal sehr viele Nerven. Noch eine Woche mussten die Wichtel durchhalten, aber in Gedanken hatten sie schon alle den ersten Krug Honig-Bier in der Hand und freuten sich auf einen schönen Abend mit der Wichtelgemeischaft.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann feiern sie noch heute!